HK-Gebäudetechnik 2010/06: «Energie ernten statt nur verbrauchen!»

Dennis Härtig am 10. 6. 2010

In den letzten Wochen wurden verschiedene Energie-Themen durch mehrere Beispiele sehr aktuell. Das Ölpest-Desaster im Golf von Mexico zeigt: die Ölförder-Firmen erschliessen nun jene Öl-Lagerstätten, die nur noch mit grösserem Aufwand auszubeuten sind. Und offenbar wurden aus Kostengründen schon grosse Risiken in Kauf genommen, wie es sich niemand vorstellen wollte. Bereits sind mehrere Versuche gescheitert, den Ölausfluss zu stoppen. Täglich entweicht eine Menge Öl aus dem Leck in 1500 Meter Tiefe, die einen Zehntel des Schweizer Tagesbedarfs decken könnte. Ein Teil des Öls verseucht die Küste und tötet viele Tiere. Ein grosser Teil befindet sich noch tief unter der Meeresoberfläche. Ein Ende des tragischen Unfalls und alle Folgen sind noch nicht absehbar.

Klar ist hingegen, dass die Ölförderung weltweit aufwendiger wird, dass wir für diese Energie-Form immer mehr bezahlen und dass wir uns von der risikoreichen, klimaschädigenden und immer teureren Öl-Abhängigkeit möglichst weitgehend befreien müssen. Die Folgen für Wirtschaft und Umwelt werden immer bedrohlicher. Wir müssen uns noch stärker für einen raschen Wechsel zu einer zukunftsfähigen Energieversorgung einsetzen.


Bei der Wärme für die Raumheizung wissen wir heute schon, wie wir den Bedarf senken können. Das kostet zwar, muss aber nicht tieferen Wohnkomfort bedeuten. Im Gegenteil. Vor allem für Neubauten ist der Weg klar vorgegeben. So verabschiedete auch das Europäische Parlament kürzlich eine Richtlinie zur Energieeffizienz von Gebäuden. Danach müssen Neubauten ab 2019 als «Null-Energie-Gebäude» mindestens so viel Energie «produzieren», wie sie verbrauchen. Ein im Passivhausstandard errichtetes Haus müsste dann etwa 30 kWh pro Jahr und Quadratmeter Wohnfläche über Kollektoren und Photovoltaik-Module «ernten», weil der Verbrauch für Raumheizung und Warmwasser bei etwa 15 kWh und für Strom bei noch einmal 15 kWh/m² liegt. Das Ziel ist eine «ausgeglichene Jahresbilanz».


Warmwasserkollektoren ermöglichen heute Jahreserträge von über 350 kWh/m², Photovoltaikmodule zwischen 100 und 150 kWh/m². In der Realität kann das noch höhere Ziel «ganzjährige Autarkie» wegen der Klima-Randbedingungen Sommer-Winter noch selten realisiert werden. Null-Energie-Verbrauch im Jahresmittel ist aber schon sehr gut! Das Plusenergiehaus ist Thema hier im Heft ab Seite 4.


Unter dem Titel «Eine Investition in die Zukunft: Wir fördern erneuerbare Energien» hat die Bauherrschaft einer grossen Solarstromanlage in Melchnau Ende Mai zum Tag der offnen Tür eingeladen. Die auf einem grossen Gemeinschaftststall installierte Photovoltaikanlage wurde mit rahmenlosen PVModulen von der Schweizer Firma 3S realisiert, die anstelle einer herkömmlichen Dacheindeckung auf der ganzen Süddach-Fläche montiert wurden. Die riesige Anlage mit einer Fläche von 1885 m², einer installierten Leistung von 264 kWp und einer Jahresproduktion von 250 MWh liefert Strom für 65 Haushalte. Sie ist ein Beispiel dafür, wie sich sechs Hauptpartner (www.pvenergie.ch) zusammentun in der Überzeugung, dass zwar die Investition heute noch keine Rendite ermöglicht, dass aber die Zukunft klar den erneuerbaren Energien gehört. Insbesondere der Nutzung der direkten Sonnenenergie für Wärme und Strom. Weil die unerschöpfliche Energie der Sonne selbst eben gratis zur Verfügung steht: zum «Ernten».













Peter Warthmann, Chefredaktor
peter.warthmann@hk-gebaeudetechnik.ch


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Kommentare

3 Kommentare zu “HK-Gebäudetechnik 2010/06: «Energie ernten statt nur verbrauchen!»”
TomNo Gravatar 24.6.2010 11:59 Uhr

Mit der neuen Monte Rosa Hütte gibt es ja in der Schweiz schon ein Beispiel das zeigt, dass selbst in alpinen Lagen Unglaubliches möglich ist (Mit der Kombination aus einem niedrigen Energiestandard und Maßnahmen aus dem Bereich der intelligenten Gebäudeautomation).

Energietechnik-Caldor, Wickles JensNo Gravatar 16.7.2010 18:36 Uhr

Sehr geehrte Damen u. Herren,
diese Oelkatastrofe zeigt doch mehr, dass wir endlich lernen müssen, die Oelabhängigkeit aufzugeben, deshalb hat unsere Firma E-Caldor sich gedanken gemacht,wie man aus Altpapier eine FBH konstruiert,die Test haben ergeben, dass es eine Druckbelastung auf 1qm bis 11t aushält, die besten Trittschallwerte, Niedertemperatur VL30°/35°-RL20°/25°,beste Wärmeabgabewerte, können direkt darauf Fliesen o.Parkett legen. wir habe noch ein anderes eigenes Patent, dies mit Erde, zu Ton gebrannt und eine FBH wird, alles ohne Oel und Altpapier, Erde u.Sand sind Naturprodukte, so müssen mehr Vorschläge gefördert werden.
Mit freundlichen Grüssen Ihre Energietechnik-Caldor
Planung u.Systemvertrieb
Inh.Wickles Jens

STUART 5.9.2010 14:47 Uhr


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